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Open Source ist tot.

Wer gestern mal in meinem Facebook Stream geschaut haben, wird vielleicht gelesen habe, dass ich gefragt habe, ob für ein Open Source Projekt kostenloser Telefonsupport notwendig ist. Diese Frage hatte natürlich einen Hintergrund, der meiner Meinung nach nicht sehr erfreulich ist.

Ich habe mich gestern sehr über eine E-Mail aufgeregt, die ich erhalten habe. Wenn andere Open Source Entwickler sich auch mit solchen Themen befassen müssen, trifft die Überschrift vielleicht eines Tages zu.

Wer ist so dumm und verschenkt seine Arbeit?

Open Source Entwickler müssen doch echt bescheuert sein. Arbeiten Monate oder Jahre an einem Projekt und verschenken es einfach. Wieso tun sie das?

Das mag verschiedene Gründe haben, hier sind einige davon:

  • Sie haben ein Tool für sich selbst geschrieben, haben aber nicht die Zeit dafür alles umzusetzen was sie sich vornehmen. Durch die kostenlose Verbreitung der Quelltexte können andere User den Code selbst verändern, wenn etwas fehlt was sie gerne hätten. Dieser wird dann auch per Open Source verteilt, wovon dann der Ursprungsentwickler natürlich auch profitiert. Eine Win-Win Situation für User und Entwickler.
  • Sie verbreiten den Code durch Open Source und möchten durch kostenpflichtige Add Ons das Geld verdienen.
  • Sie verdienen das Geld durch Customizing, also bezahltes Anpassen des System auf Wunsch des Kundens.
  • Sie möchten ihre Reputation steigern und zum Beispiel bei Bewertungen für eine Festeinstellung von dem Engagement profitieren.
  • Oder vielleicht haben Sie auch einfach nur Spaß an der Entwicklung und möchten auf diese Weise andere Entwickler kennenlernen, die ähnliche Interessen haben.

Mein Weg in Sachen Open Source

Ihr ahnt es vielleicht, auch ich betreibe ein Open Source Projekt. Wie seit dem Rebranding des Blogs klar erkennbar ist handelt es sich hierbei um das CMS ContentLion.

Ach noch ein CMS? Davon gibt es doch schon so viele. Auf jeden Fall. Aber der Ursprungsgedanke des Projektes war es meine eigene Seite damit auszustatten. Als Entwickler habe ich immer mein ganz eigenes Konzept wie meine Seite aussehen soll. Damals hat es sich übrigens nicht um den Blog gehandelt, um das was da früher noch drum war. Dort hatte ich zum Beispiel ein paar kleinere Tutorials veröffentlicht.

Der Name SteviesWebsite gefällt mir übrigens selbst gar nicht mehr. Er entstand aus der Historie der Seite. Früher war es eine kleine private Seite, wo ich als kleines Script-Kiddie immer mal wieder was anderes mit gemacht hatte. Ich hatte mir damals ein fertiges Script installiert, an dem ich immer wieder rumgebastelt habe. – Daran habe ich programmieren gelernt.

Wie ihr vielleicht wisst, ist aus dem kleinem Hobby, was ich früher in der unteren Stufe der Realschule begonnen hatte mittlerweile mein Job geworden. Nach der Schule bin ich direkt in eine Ausbildung zum Fachinformatiker bei der GML gewechselt und habe da nach und nach gelernt, wie man nicht nur kleine Scripts, sondern professionelle Software entwickelt. Ein Jahr nach meiner Ausbildung wollte ich mich in eine etwas andere Richtung entwickeln und bin dann zur next idea GmbH gewechselt. Dort Entwickeln wir ein Backend, mit dem Browsergame-Publisher ihre Spiele steuern könne. (Mehr dazu)

Aber nun zurück zum eigentlichen Thema. Ich wollte die Website komplett überarbeiten und fand kein CMS, was mir das bietet, was ich selbst haben wollte. Also habe ich mich dazu entschieden ein eigenes CMS zu erstellen. Da ich für meinen Blog ein paar Artikelideen brauchte, habe ich die Entwicklung mit dem CMS Tutorial dann einfach öffentlich gemacht. Das Tutorial wurde so gut angenommen, dass aus dem Weg das Ziel wurde und wie ihr am Rebranding seht, gehört der Blog mittlerweile zur Seite des CMS und nicht mehr andersherum.

Es macht einfach Spaß, auch Feedback und Unterstützung von anderen Leuten zu bekommen. So gibt es immer wieder Leute, die auch sehr lange Zeit mithelfen. Dazu gehören zum Beispiel Daniel Busch oder auch JuKu.

Viele der Mithelfer sind selbst noch Schüler und haben ähnlich wie es damals bei mir auch war, einfach Spaß daran, selbst ein paar Sachen zu entwickeln. Wenn mir also jemand zum Beispiel Code einreicht, gebe ich immer gerne mein Feedback ab, um diese Leute dadurch auch zu fördern.

Wie wird mein Open Source Projekt finanziert?

Wer sich die Seite des CMS einmal ansieht wird feststellen, dass es weder kostenpflichtige Plugins noch Aufforderungen nach Customizing-Aufträgen gibt. Selbst ein Spenden-Button ist nirgends zu sehen. Sponsoren und Werbebanner finde ich dort auch keine. (Hier im Blog gibt es natürlich einen, dieser deckt aber höchstens die Hosting-Kosten).

Kurz gesagt gar nicht. Wie oben beschrieben habe ich einem festen Job und investiere daneben noch Zeit in das Projekt. Derzeit habe ich eine kleine Aktion, dass ich im Advent jeden Tag ein Plugin erstelle und veröffentliche. Da kommen dann nach Ende meines normalen Arbeitstags gut schonmal 2 weitere Stunden pro Tag zusammen. Ich möchte das Projekt aber voran bringen und in den letzten Tagen hat sich dadurch auch einiges getan.

Klar, ich muss zugegeben, dass ich schon ein paar Ideen zur Refinanzierung habe, bis es aber soweit ist werden noch einige Codezeilen durchs CMS fließen. Ein Open Source Projekt muss extrem erfolgreich sein, bis man es wirklich schafft damit auch wirklich etwas zu verdienen und ob ContentLion eines der Projekte seien wird, wird sich zeigen.

Was sollte ein Open Source-Projekt bieten?

Es sollte natürlich fehlerfrei sein – Denken zumindest einige Leute. Doch eine fehlerfreie Software auszuliefern ist ein Ding der Unmöglichkeit. ContentLion ist derzeit in einer Beta-Phase, dass heißt also, dass es zum Test in breiter Masse freigegeben ist. Damit prüfen wir, ob es den Anforderungen der User entspricht und auf allen Systemen läuft. Durch verschiedene Serverkonfigurationen kann es natürlich vorkommen, dass die Installation fehlschlägt.

In so einem Fall sollte man zusammen mit dem User eine Lösung finden. Da alle Beteiligten in ihrer Freizeit daran arbeiten, kann man natürlich keinen professionellen Support erwarten, schon gar nicht per Telefon. Also stellen wir dafür ein Forum zur Verfügung, in dem wir uns mit Usern unterhalten können. Das hat noch den Vorteil, dass man sich gegenseitig hilft und dadurch auch eine kleine Community aufbaut.

Der Support-Fall

Doch scheinbar ist das für einige Leute zu wenig. So bekommt man auch mal sowas im Forum zu lesen:

Aber wie? Über Forum? Und dort, nur als reg. Benutzer möglich!? Dieser Reg.-wahn in unserem Metier hängt mir zum H… heraus und dann noch mit Geb.-dat.! Was soll das? Wenn ich für 100 EUR einkaufen gehe und nachher Fragen an z.B. d. Ladeninhaber habe, fragt der auch nicht nach meinem Geb.-dat., das geht ihn auch nichts an! Weiter: Ihr Captcha. Sieht nett aus, aber: Die Kombination „OLO“ sah wie „030“ aus. Kleiner Hinweis wäre hilfreich: z.B. Captcha besteht nur aus … Großbuchstaben … o.a.. (Quelle)

Wer ein Forum oder einen Blog betreibt wird das Problem kennen. Man wird mit tonnenweise Spam nur so überschüttet. Ein Forum ohne Registrierung ist ein gefundenes Fressen für alle Spambots. Und die Frage zum Geburtsdatum gehört nun mal zum Standard der Forensoftware. Ich habe mir gedacht, in dem Fall hat er ja Recht, bei einer Registrierung sollte man rein aus Conversion-Optimierungssicht so wenig Felder anzeigen wie möglich. Also habe ich die Einstellung herausgesucht und das Geburtsdatum von der Registrierung entfernt.

Ungefähr im gleichen Zeitraum bekam ich eine E-Mail, in der jemand sich über die Rechtschreibung auf einigen Seiten des CMS beschwert hat. Zugegeben, nach dem Durchschauen habe ich wirklich zu viele Fehler der Art gefunden. Der Grund hierfür, war dass ich schnellstmöglich eine Doku haben wollte. Das hätte ich besser machen sollen. Was aber nett von dem Schreiber der E-Mail war, dass er anbot die Texte der Seite durchzugehen und zu überprüfen, wenn ich im Gegenzug dazu mal mein Feedback in Sachen SEO zu seiner Seite geben könnte. Also hab ich ihm geantwortet, dass er mir eine Liste mit Fehlern erstellen könnte und ich dann mal einen Blick über seine Seite machen könnte.

Nach zwei Wochen bekam ich dann eine Antwort. (Mittlerweile habe ich selbst einige Texte überarbeitet) Sie begann mit folgendem Text:

ich habe Sie nicht vergessen, jedoch war in den vergangenen beiden Wochen zuviel zu tun, als dass ich mich um diese „Kleinigkeit“ hätte kümmern können.

Das ist ja schon mal eine nette Begrüßung. Da das Ganze ja nur eine Kleinigkeit ist, hat er natürlich auch die Zugangsdaten für seine Installation vergessen. Moment einmal, dass kommt mir doch bekannt vor. Das Gleiche hat doch grade erst der User geschrieben, der sich vor Kurzem noch über die schlimme Foren-Installation beschwert hat.

Nach ein paar weiteren Sätzen, stellt sich wirklich heraus, dass es sich um die selbe Person handele. Der Juku, den ich oben bereits erwähnt habe, hat sich an ihn gewandt und wollte in einem Chat mit ihm zusammen sein Problem lösen. Nett von ihm! Anstatt einem Dankeschön durfte ich jetzt folgendes in der E-Mail lesen:

Das Protokoll der Sitzung mit Ihrem Kollegen JuKu finde ich jetzt auf die Schnelle nicht. Es war sogar etwas nervig, da Ihr Kollege mutmaßte ich hätte Fehler bei der Installation gemacht. Einige Fragen wurden zudem nicht beantwortet.

Des weiteren wollte JuKu ihm nicht seine Telefonnummer geben, obwohl das doch das A und O eines kompetenten Support ist (Zitat). Ganz ehrlich? Ich hätte ihn auch nicht meine Telefonnummer gegeben. Klar, Support per Telefon ist eine tolle Sache, aber es ist auch extrem zeitaufwendig. Vor allem in der Freizeit möchte man nicht ständig von Leuten angerufen werden, die Probleme mit dem System haben. Auch wenn man das Projekt in der Freizeit entwickelt, irgendwann braucht man auch selbst eine Auszeit und möchte nicht rund um die Uhr erreichbar sein. Oder freut ihr euch jedes Mal, wenn ihr im Urlaub einen Anruf aus der Firma bekommt?

Bei einem Anruf aus der Firma ist das natürlich noch etwas anderes, man wird dafür bezahlt und weiß, dass die Kollegen nur im absoluten Notfall zu Hause anrufen.

Es ist ja nicht so, dass wir nicht helfen wollen. Ich schaue mehrmals am Tag im Forum und hab auch auf seinem Post relativ schnell geantwortet. Das der JuKu sogar mit ihm zusammen dadurch geht, finde ich echt hilfsbereit. Ich bekomme relativ häufig Anfragen über Facebook und Co, ob ich mal kurz über den Code schauen kann oder Ähnliches. Auch ich helfe gerne, auch wenn ich dadurch andere Sachen zeitlich einfach nicht mehr schaffe.

Allerdings muss man irgendwann auch einen Strich ziehen, wann Hilfe endet und Ausnutzung beginnt. Und das wird mit der Preisgabe der Telefonnummer leider nicht mehr leicht. Bei E-Mails und im Forum kann man selbst entscheiden, wann man grade Zeit hat auf eine Anfrage zu antworten. Aber beim Telefonsupport muss man immer sofort zu Stelle sein. Da denke ich ist die Grenze für ein Open Source Projekt ohne jegliche Einnahmen erreicht.

Wenn man dann noch eine solche Aufforderungen liest, anstatt einfach mal nett zu Fragen, wird es noch unwahrscheinlicher diese von mir zu bekommen:

Ich vermute, die Firma, in der Sie Ihre Ausbildung machen, kann ihre Geschäfte auch nicht ohne Telefon betreiben.

und weiter unten

Wie meine Recherche ergab, scheinen Sie mit Ihren 22 Jahren den Wert von Kommunikation zu kennen, findet man doch diverse Spuren von Ihnen im Web.

Naja, hätte er richtig recherchiert, wüsste er, dass ich die Ausbildung schon zwei Jahre hinter mir hab. Aber da ich den Wert von Kommunikation kenne, schreibe ich auch diesen Post, um einigen Leuten die Augen zu öffnen.

Natürlich gibt es noch einige Fehler im CMS, es ist auch schon etwas länger in Entwicklung und heute würde ich vieles anders machen. Trotzdem ist mein Gedanke von guter Kommunikation, dass man Fehler konstruktiv meldet und das in einem höflichen Ton. Dann wird einem auch geholfen.

Ist Open Source tot?

Noch nicht, aber wenn es von zu vielen Leuten auf diese Weise wahrgenommen wird steht der Tod nahe. Dann wird eben alles wieder kostenpflichtig oder mit noch mehr Werbebannern ausgestattet, als es aktuell schon auf vielen Seiten der Fall ist.

Ich würde es auf jeden Fall Schade finden. Da mir aktuell der Spaß an dem Open-Source-Entwickeln vergangen ist, werde ich meine Jeden-Tag-Ein-Plugin-Aktion erstmal unterbrechen. Schauen wir mal, ob ich in den nächsten Tagen weitermache.

Bild von depositphotos bei Pixmac

Kommentare

Christoph Paterok schrieb am 15.12.2012:

Hi Stefan, erstmal muss ich sagen: Alles richtig gemacht! Das Problem ist, dass solche Leute es erstens nicht verstehen, warum jemand umsonst so ein umfangreiches und gut durchdachtes CMS erstellt. Solche Menschen suchen immer den Haken, finden ihn nicht und denken sich dann: "Naja, irgendwie wird er schon ziemlich gutes Geld damit machen, also hat er mir auch zu helfen..." Zum Zweiten haben diese Leute keine Ahnung von "Netzwerken". Das ist doch meiner Meinung nach in jedem "Geschäft" das A und O. Hilfst Du mir, so helf ich Dir... Zu viele Leute sehen im Internet einfach nur noch das stumpfe Geld verdienen und haben dann aber auch keinen Erfolg. Ich persönlich habe vor ca. zehn Jahren, als ich mit dem "Internet angefangen habe", auch nicht verstanden, warum Wordpress beispielsweise kostenlos ist. Aber mittlerweile weiß ich selbst, was Reputation wert ist. Also: Lass Dich nicht unterkriegen und mach so weiter wie bisher. ContenLion wird was ganz großes, da bin ich mir sicher. In dem Zusammenhang, sag ich auch nochmal Danke, dass Du mir damals bei meiner ersten FacebookApp geholfen hast ;) Viele Grüße Christoph

Maximilian Koch schrieb am 15.12.2012:

Stefan ich stehe hinter dir. Ich finde es gut das du dein eigenes Geld reinsteckst. Für meine Projekte nehme ich auch kein Geld. Habe aber ein paar Leute die nicht verstehen, das ich selbst Geld reinstecken muss und damit auch hin und wieder den Hoster wechseln muss. Da mir die Kosten einfach zu viel werden. Die Idee hinter OpenSource wird sich immer mehr ausweiten. Siehe Facebook. Der Großteil Ihrer Scripte ist kostenlos. Bieten aber kaum Support. Der Grund dafür ist, jeden Entwickler, egal ob er viel Geld oder Garnichts hat. Die Möglichkeit zu bieten sich zu verbessern und auch gute Scripte zu bekommen. MFG, Maximilian Koch

Open Source – welche Grabstätte? | WB7 schrieb am 15.12.2012:

[...] einem Artikel, den ich im Blog von Stefan Wienströer gelesen habe, kann ich nur zustimmen: Open Source ist tot. Genau das mit dem kostenlos und dem [...]

Daniel schrieb am 15.12.2012:

Das sind mir die richtigen. Bekommen etwas kostenloses und anstatt sich zu freuen wenn ihnen dann auch noch kostenfrei geholfen wird, werden die Gierschlünde auch noch frech. Dann sollen die doch Kaufsoftware einsetzen. Aber Moment da bezahlt man ja auch für jede Hilfe. Undank ist der Welte usw. Stefan ich werde auch weiterhin kostenlos weiter machen :-) Mach weiter so und mach dir nichts aus diesen offensichtlich neidischen Zeitgenossen.

#18 GetRevision – SVN Revision herausfinden | Stefan Wienströer schrieb am 18.12.2012:

[...] meiner kleinen Abwesenheit (Details) habe ich heute ein ganz besonderes Plugin für euch. Und zwar sucht das Plugin GetRevision die [...]

titus schrieb am 21.12.2012:

Auch ich bin Opensource Entwickler und kenne das Problem nur zu gut. Das Problem ist folgendes: Die Leute können sich einfach gar nicht vorstellen das man so etwas in seiner Freizeit macht! Die gehen fest davon aus, dass man bezahlt wird. Das Heißt der Slogan "Ist OpenSource tot" ist der vollkommen falsche Ansatz! Bei denen im Kopf hat OpenSource noch nicht einmal begonnen! Sie sind noch so sehr in ihrer kommerzeillen Welt gefangen das sie dies nicht verstehen! In meinen Augen ist OpenSource erst ganz am Anfang, denn so nach und nach verstehen auch die großen kommerziellen Firmen immer mehr, dass man große Softwareprojekte heute nicht mehr von Grund auf selbst entwerfen kann. Man muss also auf bestehendem aufbauen. Genau hier kommt der OpenSource Ansatz ins Spiel. Jetzt müssen sie nur noch alle lernen, dass es eben ein Geben und Nehmen ist. Google hat das mit Android Teilweise ja auch schon gelernt und sogar Apple gibt teilweise Code an die Allgemeinheit zurück. Die Gründe für diese generösen Codespenden sind zwar meist sehr eigennütziger Natur, doch sie scheinen auch immer mehr zu lernen das das es eine Zukunft ohne Zusammenarbeit nicht gibt. Und so entsand aus den anfänglichen reinen "Codespenden" in einigen Fällen auch schon echte Zusammenarbeit. Dies ist in meinen Augen die Zukunft von OpenSource, gerade in den Bereichen wo Privatleute eher weniger Lust am Programmieren verspüren. ( z.B. Treiber )

Arne Babenhauserheide schrieb am 21.12.2012:

Hi Stefan, Lass dich bitte von so ein paar Idioten nicht unterkriegen. Wenn ich ein Programm geschrieben hätte, das so viele Leute toll finden, dass sogar Leute dabei sind, die Telefonsupport wollen, würde ich einfach antworten: „Du willst Telefonsupport? Kein Ding: 20€ die Stunde, dann machen wir das. Verfügbar Montags und Donnerstags 18:30 bis 20:00 Uhr“. Die Leute kriegen schließlich auch was dafür, und wenn du erstmal so weit bist, dass Leute dein Programm kommerziell einsetzen, hast du einen Weg, um damit Geld zu verdienen: Für diejenigen ist es dann nämlich bares Geld wert, dass dein Programm immer besser wird. Ich hatte allerdings gerade die andere Situation: Ich schreibe mit ein paar anderen ein freies Rollenspielsystem und wollte zum Gratisrollenspieltag einen Flyer dazu rausbringen. Da ich selbst schlecht die ganzen Druckkosten stemmen konnte, habe ich einfach rumgefragt, ob mich jemand unterstützen könnte und binnen 4 Tagen waren über 200€ an Spenden zusammen. Klar ist das nicht genug, um davon zu leben, aber es zeigt, dass Leute bereit sind, freie Projekte mit Geld zu unterstützen: http://1w6.org/flyer/graswurzel2012 Und ich stehe damit nicht alleine: Drei weitere Hobby-Rollenspielentwickler haben das auch gemacht und ähnliche Unterstützung erlebt. Im Endeffekt denke ich, dass freie Software einfach andere Finanzierungsstrukturen braucht. Vielleicht ein halbjährliches Projekt bei Startnext, um die nächste Entwicklungsphase zu finanzieren. Das ist im Endeffekt, wie sich pypy finanziert: Sie sammeln Spenden für große neue Features (aktuell: automatische parallelisierung, numpy, python3 - alle drei wurden gestartet, nachdem sie zu 30% finanziert waren): http://pypy.org/py3donate.html Klar, dafür braucht man eine kritische Masse. Aber um die zu erreichen, ist freie Lizenzierung vermutlich der beste Weg.